Augsburger Tore und Türme
Eine kleine Serie an Türmen und Toren aus dem Augsburger Alltag. Wo kommen sie her, wo führen sie hin? Bunt zusammengewürfelt verzieren und verzaubern sie den Blick auf die Stadt – wenn nicht unmittelbar, dann spätestens beim Blick aus einem ihrer hohen Fenster. Sie erzählen Stadtgeschichte und immer wieder hat sich ihre Erscheinung im Lauf der Jahrhunderte gewandelt und gewendelt: Die Turmspitze des Perlachturms am Augsburger Rathausplatz ist seit Juli 2025 abgesetzt und wartet am Rathausplatz mit allen Augsburger*innen auf eine neue Treppe. Dann kann der Turm wieder bestiegen, beheiratet und bemarathont werden und alle anderen können einfach nur so nachschauen, ob man von oben wirklich die Alpen sehen kann.
Wenn alles gut geht, wird die Tor- und Turmsammlung in den nächsten Jahren erweitert.
Die Türme und Tore gibt es als Postkarten und als gerahmte Bilder.

Der Hotelturm

Der Hotelturm in Augsburg wurde 1971 im Schnellverfahren aufgebaut, da Augsburg mit seiner Olympia-Kanustrecke 1972 eine große Zahl von Besuchenden aus aller Welt erwartete. Mit 115 Metern Höhe und dem Charme eines Maiskolbens ist er zu einem heimlichen Wahrzeichen der Stadt geworden.
Das Schönste am Hotelturm ist der Wittelsbacher Park, in dem er steht und die Aussicht von seinen Balkonen bei Sonnenuntergang.
So sagt man.
Tatsächlich ist das Wahrzeichen Augsburgs kein Maiskolben, sondern eine Zirbelnuss. So einen Turm hat Augsburg aber – leider – nicht.

Der untere Sankt-Jakobs-Wasserturm

Der untere Sankt-Jakobs-Wasserturm steht seit 1609 neben der Augsburger Kahnfahrt am Gänsbühl.
Als einer von zwei Wassertürmen diente er zur Wassersorgung der Jakobervorstadt und der Fuggerei. In seinem flachen Anbau befand sich ein großes Mühlrad zum Antrieb der Wasserpumpe. Seine Architektur verdankt der Turm dem großen Augsburger Baumeister Elias Holl.
Heute ist es immer noch ein schöner und in lauen Sommern auch gemüticher Turm mit hervorragender Aussicht aus dem Turmzimmer und einem schönen Anblick beim Rudern und Entenfangen im Stadtgraben.

Der Glockenturm am Hochablass

Der Glockenturm am Hochablass ist eigentlich ein Getriebe-häuschen, in dem sich die Zahnräder zum Einstellen der Wehrklappen befinden.
Nach einem zerstörerischen Hochwasser im Jahr 1910 wurde der heutige Hochablass mit dem Getriebehäuschen errichtet. Der Zufluss des Lechs in die Stadt und ihre Kanäle wird hier geregelt. Das Getriebehäuschen sitzt mit seinen Zahnrädern hübsch in der Mitte und schaut den Kiesbänken beim Baden und Grillen zu.
Auf der gezackten Staumauer stehend, wenn der Lech unter den Füßen in die Tiefe rauscht, weiß man kurz, dass der Mensch klein und die Welt groß ist. Was man nicht weiß: ob manchmal die Glocke im Türmchen läutet und was dann wäre. Wahrscheinlich wissen es die Fische: Sie lächeln aber nur, schweigen und schwimmen ihrer Wege.

Das Rote Tor

Das Rote Tor wurde bereits im 13. Jahrhundert als südliches Stadttor erbaut und im 15. Jahrhundert um seine Farbe und seinen Namen ergänzt. Früher hatte es eine wichtige Funktion als Stadttor auf der Handelsroute Via Claudia zwischen Bayern und Italien. Seine heutige Schönheit hat ihm im 17. Jahrhundert der Baumeister Elias Holl verliehen.
Heute steht es gemeinsam mit drei imposanten Wassertürmen in einer verwunschenen Garten- und Parkanlage mit Handwerkermuseum und öffentlichem Kräutergarten – direkt neben der Augsburger Puppenkiste.
Das Rote Tor hat eine eigene Straßenbahnhaltestelle. Dort steht Augsburgs schönster Kiosk. Er erzählt uns von den Anfängen der Straßenbahngeschichte, von dampfendem Kaffee und einer feinen Butterbreze an kalten Wintermorgenden.

Der Perlachturm

Der Perlachturm steht direkt neben dem Augsburger Rathaus und ist über tausend Jahre alt. Im Mittelalter lebte darin der Türmer und läutete die Glocken, wenn in der Stadt ein Feuer ausbrach. In den unteren Geschossen befanden sich Zwinger für Tanzbären. Diese schauten auf den Rathausplatz und überwachten das Geschehen. Sie gaben dem Perlach seinen Namen. Heute lebt nur noch ein Metalldrache im Perlach. Einmal im Jahr kommt er aus einem blumengeschmückten Fenster gefahren und wird vom Erzengel Michael mit einer Lanze erstochen. Wem es dabei nicht ungeheuer genug zumute wird, der kann die Treppen hochrennen und dabei die Zeit stoppen. Man sagt, dass man bei gutem Wetter vom Perlachturm bis in die Alpen sehen kann.
Aktuell kann nur der kopflose Perlachturm und nur von außen besichtigt werden.

Das Jakobertor

Das Jakobertor befindet sich zwischen der Jakobervorstadt und dem heutigen Textilviertel.
Im 14. Jahrhundert wurde die Jakobervorstadt an Augsburg und seine Stadtmauern angeschlossen und mit einer zusätzlichen Mauer und Gräben umgeben. Als Eintrittstor in die erweiterte Stadt wurde das Jakobertor bestimmt.
Es hatte eine Zugbrücke und Wachpersonal, die heute verschwunden sind, da das Tor ab und zu zerstört und wieder aufgebaut wurde. Ein Stück Stadtmauer hängt noch an ihm. Auch der Stadtgraben beginnt hier und führt direkt zur Kahnfahrt, dem schönsten aller lauschigen Plätze für große und kleine Stadtkinder: mit Ruderbooten, in denen man rückwärts sitzt, mit leise glitzernder Wasserliebe und einem Sommerhimmel voller Kastanien und Amselblüten.
Verkauf
Postkarten

Die Postkarten gibt es in der Buchhandlung am Obstmarkt, Obstmarkt 11 und im Museumsshop des tim (Textil- und Industriemuseum Augsburg).
Gerahmte Bilder

Gerahmte Bilder in den Formaten 20×20 und 40×40 gibt es in der Rahmenhandlung Heydel in der Bäckergasse 16.
